Die Ebstorfer Weltkarte
Nov 20, 2007Public
Photo: Das „Heidekloster“ Ebstorf
1160 als Praemonstratenser Chorherrenstift gegründet 
etwa 1200 - nach einem Brand - für Benediktinerinnen neu gestiftet
Ebstorf entwickelte sich bald zu einem Marienwallfahrtsort.
eines von sechs "Lüneburger Klöstern", die nach der Reformation 
       (um 1528) evangelische Konvente wurden
Klosterkirche und Konventsgebäude entstanden im 14. Jh. 
       im Stil der norddeutschen Backsteingotik.
[Foto: www.Lueneburger-Heide.de]
Hochgeladen: 30. Mai 2007
Photo: Die Kapelle / oder spätere Wallfahrtskirche beim Kloster Ebstorf ('Ebbekesstorp' in der Mitte) ist mit einem Kreuz bezeichnet, darunter sind die drei 'Märtyrergräber als kleine Rechtecke eingezeichnet. Daneben steht: 'Hic quiescunt b. mar|ty|res' = "Hier ruhen die seligen Märtyrer". Einer Sage zufolge sollen hier Massengräber sein, die von einer verlorenen Schlacht gegen die Normannen (Wikinger) stammen, bei der im Jahre 880 Tausende von Christen den Tod fanden.
In der linken Mitte dieses Ausschnitts sieht man Lüneburg ('Lunebch'), schräg darüber Braunschweig (mit einem Löwen) auffallend groß dargestellt, darunter Hannover ('honouere c.'), Paderborn ('Padelborne.') Neben Lüneburg befinden sich noch weiter links die Salzquellen ('fons saline'). Rechts neben deb Gräbern ist Verden zu sehen, darunter Bremen.  ESIA = Friesland.
Photo: Das Original der Ebstorfer Weltkarte verbrannte 1943 in der Landesbibliothek Hannover. Die Kulmbacher Kopie der Ebstorfer Weltkarte ist eine von vier Reproduktionen, welche von 1950 bis 1955 im Gerbdruckverfahren auf Ziegenlederpergament übertragen wurden. Eine Kopie befindet sich heute im Kloster Ebstorf, die zweite in Lüneburg; die dritte wurde von der Firma Reemtsma dem griechischen Königspaar geschenkt. Da auf der Weltkarte als einzige Burg die Plassenburg abgebildet ist, wurde im Jahre 1962 eine dieser vier Kopien von der Stadt Kulmbach angekauft.
2007 wurde die 'Mappa mundi', in Segmente zerlegt, digital rekonstruiert und neu kommentiert.
Photo: Die Karte wurde um 1830 in einem "feuchten Gemach", einer fensterlosen  Abstellkammer, zusammen mit Altardecken und Prozessionsgerät "aus katholischer Zeit", im Benediktinerinnenkloster EBSTORF bei Lüneburg aufgefunden. Die Ebstorfer Weltkarte ist mit 3,6 m Durchmesser die größte Radkarte des Mittelalters. Sie dürfte wohl unter dem Einfluss von Gervasius von Tilbury (Probst in Ebstorf - erste Hälfte des 13. Jahrhunderts) zwischen 1250 und 1300 entstanden sein. Die Kommentare sind einer digitalen Bearbeitung der Ebstorfer Weltkarte entnommen ('Die Ebstorfer Weltkarte, ein Spiegel des Weltbildes' (Projekt der Universität Lüneburg als digitalisierte Übersicht mit Detailinformationen).
Photo: Das Original verbrannte 1943 in der Landesbibliothek Hannover. Die Kulmbacher Kopie ist eine von vier Nachbildungen, die nach 1950 im Gerbdruckverfahren nach einer um 1890 hergestellten verkleinerten Kopie angefertigt wurde. Da auf der Weltkarte als einzige Burg die Plassenburg abgebildet ist, wurde im Jahre 1962 eine dieser vier Kopien von der Stadt Kulmbach angekauft. Die Karte ist geostet, d.h. das Haupt Christi (oben) liegt im OSTEN der Karte!
Photo: 'PARADYSUS': "Das Paradies und das Holz des Lebens und die vier aus dem Paradies entspringenden Flüsse; wo die Schlange unsere Ureltern betrog, indem sie sie anstiftete, vom verbotenen Baume zu essen."
Äußerst bemerkenswert: Auch Adam hält einen Apfel in der Hand!
Photo: "ASIEN heißt nach einer Königin desselben Namens. Seine erste Region von Osten her ist das Paradies, ein lieblicher und rundum angenehmer Ort, für Menschen nicht bewohnbar und mit einer himmelhohen Feuerwand umgeben. Darin befindet sich das Holz des Lebens, d.h. ein Baum; wer von dessen Frucht ißt, altert nicht und stirbt nie. Im Paradies entspringt eine Quelle, die sich in vier Ströme aufteilt; sie verschwinden innerhalb des Paradieses im Erdreich, doch treten sie weit weg in anderen Erdgegenden wieder an die Oberfläche. Und zwar entspringt der Physon, der auch Ganges heißt, in Indien vom Berg Orcobares und mündet, nachdem er ostwärts geflossen ist, in den östlichen Ozean. Der Geon sodann, der auch Nil heißt, wird bald, nachdem er beim Atlas-Gebirge entsprungen ist, wieder von der Erde aufgenommen und bricht dann nach verborgenem Lauf in der Nähe des Roten Meeres nochmals hervor, strömt ... durch Äthiopien und Ägypten und wird, in sieben Mündungsarme unterteilt, bei Alexandria vom Mittelmeer aufgenommen."
Photo: Die ARCHE mit Noah auf dem Berge Ararat ('ararath mons') - darunter ist zu lesen: "Diese Stadt heißt KAPPADOKIEN. Von ihr hat die ganze Region den Namen. Hier werden die Pferde vom Wind trächtig, doch leben die Fohlen nicht länger als drei Jahre. - Pontus ist eine Region mit vielen Völkern; nach ihr ist das Pontische Meer genannt Dorthin sind Ovid und der Hl. Clemens verbannt worden."
Photo: MESOPOTAMIEN und Turmbau zu Babel, darunter 'NARZARETH c.' in GALILEA superior: "Isidor sagt in seinen 'Etymologien' im Abschnitt über die Flüsse . . . , daß Tigris und Euphrat aus einer gemeinsamen Quelle in Armenien entspringen. Sie werden, indem sie lange in verschiedene Richtung fließen, durch einen viele Meilen umfassenden Zwischenraum getrennt. Das Land, das von ihnen umschlossen ist, heißt Mesopotamien (Zwischenstromland). Hieronymos erkennt in dem gemeinsamen Ursprung ein Merkmal, das man sonst den Paradiesflüssen zuschreibt. Boethius: Tigris und Euphrat entspringen aus einer Quelle, und bald gehen ihre Wasserläufe in verschiedene Richtungen." Rechts davon die "große Stadt BABYLON, deren Mauer 50 Ellen breit und 200 Ellen hoch ist; ihr Umfang beträgt 480 Stadien, durch 100 eherne Tore wird sie gesichert; der Euphrat fließt mitten hindurch. Der Riese Nimrod gründete sie, doch Semiramis, die Königin der Assyrer, erweiterte sie und ließ eine Mauer aus Bruchstein und gebrannten Ziegeln errichten."
Photo: JERUSALEM als Mittelpunkt und Herz der Welt: "Jerusalem, die hochheilige Hauptstadt Judäas, liegt 23 Meilen von Sychem, 16 von Dispoli, 16 von Hebron, 14 von Jericho, 4 von Bethlehem, 16 von Bersabee, 24 von Askalon, ebensoviele von Joppe (Jaffa), 16 von Ramatha, 6 von Emaus, 4 von den Bergen, zu denen Maria eilte. Diese weltberühmte Stadt überragt als die erste aller Städte die ganze Welt, weil hier die Rettung des Menschengeschlechts durch Tod und Auferstehung des Herrn vollbracht worden ist, wie der Palmist sagt: 'Er ist unser König vor aller Zeit etc.'. Diese große Stadt umschließt das Grab des Herrn, wonach der ganze Erdkreis begierig verlangt, weil der Sieger über den Tod es durch seine Auferstehung verherrlicht hat. So sagt Sedulius: Nachdem dieser Ort den vortrefflichen Schatz des vom Kreuz abgenommenen Leichnams aufnahm und damit ausgezeichnet war, so wurde sie noch mehr erhoben und geheiligt durch seine Auferstehung.“
Photo: "Es gibt zwei GALILÄA: das eine ist das der Völkerschaften neben dem tyrischen Gebiet im Bezirk Neptalim, das andere liegt um den See Tiberias und den See Genezareth herum im Bezirk Zabulon; gewöhnlich wird auch der Weg von Zion ins Tal Josaphat hinab Galiläa genannt." Rechts davon steht: Die Quelle Siloa entspringt am Fuße des Berges Zion; sie sprudelt aber nicht ständig, sondern nur zu bestimmten Stunden. Eine Art Teich in der Nähe der Quelle soll das Wasser auffangen. Dieses Becken nennt die Schrift einmal Piscina, einmal Natatoria."
Photo: ROMA
Photo: Von der 'Francia orientalis' in der Bildmitte (bei 'Pavenborch = Bamberg) eingezeichnet, bis zur 'GERMANIA superior': Unten (also im Westen) liegt ISLAND. ESIA = Friesland. Darunter steht "Der Rhein trennt Gallier und Germanen." - Im Meer ISLAND und rechts davon beginnen die "34 Orkney-Inseln, von denen 20 unbewohnt sind."
Photo: Die PLASSENBURG in der 'francia orientalis' : Die PLASSENBURG in der 'francia orientalis': In der oberen Mitte die vier Quellflüsse von  Mulde, Saale, Main und Naab.  Am 'Moin fl.' die PLASSENBURG ('Blassenb c.'), links davon Orlamünde, rechts von der Plassenburg Nürnberg ('Nurenberch c.'),  darunter Bamberg ('Pavenborch'), schräg darüber Forchheim ('Vorchelem').
Die Stadt mit dem Löwen (unten) ist Braunschweig.
Photo: Die PLASSENBURG in der 'francia orientalis': In der oberen Mitte die vier Quellflüsse von  Mulde, Saale, Main und Naab.  Am 'Moin fl.' die PLASSENBURG ('Blassenb c.'), links davon Orlamünde, rechts von der Plassenburg Nürnberg ('Nurenberch c.'),  darunter Bamberg ('Pavenborch'), schräg darüber Forchheim ('Vorchelem').
Die Stadt mit dem Löwen (unten) ist Braunschweig.
Photo: Die PLASSENBURG in der 'francia orientalis' (Neueste Rekonstruktion): Die PLASSENBURG in der 'francia orientalis': In der oberen Mitte die vier Quellflüsse von  Mulde, Saale, Main und Naab.  Am 'Moin fl.' die PLASSENBURG ('Blassenb c.'), links davon Orlamünde, rechts von der Plassenburg Nürnberg ('Nurenberch c.'),  darunter Bamberg ('Pavenborch'), schräg darüber Forchheim ('Vorchelem').
 2007 wurde die 'Mappa mundi' in Segmente zerlegt, digital rekonstruiert und neu kommentiert; hier abgebildet das Segment 44: in Hartmut Kugler (Hrsg.), Die Ebstorfer Weltkarte, Band I: Atlas und II: Untersuchungen und Kommentar; Akademie Verlag 2007 [178,00 €]
Photo: Unten (im Westen): ANGLIA - SCOTIA - BRITANNIA
Photo: Die Klöster auf der Insel REICHENAU:
'Monast. Ste. Mariae' (jetzt Mittelzell), 'Cella Ste. Georgu' (Oberzell) und Niederzell auf der Insel Reichenau, "wo es keine Schlangen gibt"; rechts davon arbona castrum und die Stadt Konstanz ('constancia civ.').
Photo: Kaspisches Meer ('Caspium Mare'), darüber: "Hier hat Alexander die beiden grausigen Völker Gog und Magog eingeschlossen, die der Antichrist im Gefolge haben wird. Sie essen Menschenfleisch und trinken Blut." Rechts davon: "Hier haben die heiligen Väter in der Wüste um Christi willen viel erduldet." Daneben: "Der Torridis vereinigt sich in den Skythischen Feldern aus drei verschiedenen Quellen zu einem Fluß" Unter SCITIA: "Die Stadt Carrae, von den Parthern jenseits von Edissa (j. Ufa am Euphrat) gegründet." Unter ARMENIA: "Meopolis (= Nicopolis), armenische Hauptstadt."
Photo: Über Scitia "Die Stadt SAMARKAND liegt in Gazarin, eine skythische Landschaft. Mit einem Umfang von 100 Meilen ist sie größer als Babylon und wird gemeinsam von einem heidnischen und einem christlichen König regiert. -   SKYTHIEN erstreckt sich vom äußersten Osten bis zum Ozean, von Süden bis zum Kaukasischen Bergrücken und grenzt im Westen an Hyrkanien. Skythien hat 44 Völker und große Flüsse: den Oscorus, den Phasidis, den Yrarin (=Araxes). Es gibt dort vielerlei Edelsteine, Gold und Gemmen. Die Völker werden von riesigen Greifen heimgesucht. Diese ..." Daneben ALEXANDRIA- "Die Region Baktrien hat den Namen vom Fluß Baktrus. Sie wird auf der einen Seite vom Oberlauf des Indus begrenzt, auf der anderen Seite vom Baktrus umschlossen. Das Land liefert die besten und stärksten Kamele. Es schließt an Hyrkanien an, das nach dem gleichnamigen Wald genannt ist. Dort gibt es Vögel, deren Federn in der Nacht leuchten. An Baktrien fügt sich, westwärts gesehen, zunächst das westliche Indien, dann Kappadokien.
Photo: Kuriositäten und Monster neben Afrika am rechten Bildrand (von oben nach unten): "Die Troglodyten sind so schnell, daß sie das Jagdwild im Lauf einholen können - Die Artobatitae pflegen beim Gehen vorüberzukippen. Die Himantopedes bewegen sich immer wie Vierfüßer voran -  Das Volk der Psylli lebte hier, Menschen von einer unglaublichen Natur, gegen Schlangengift gefeit. Es waren die einzigen Menschen, die vom Schlangenbiß nicht starben. Neugeborene hielten sie den Schlangen vor; wenn sie kränklich waren und im Ehebruch gezeugt, so bewies ihr Tod den Ehebruch der Mutter. Wenn mit ihnen alles in Ordnung war, wurden sie von den Schlangen nicht verletzt. - Dies Volk pflegt Menschenfleisch zu essen - Die Kynocephali haben Hundeköpfe und vorstehende Mäuler."
Photo: Unglaubliche und abartige Geschöpfe: "Die Völker des äthiopischen Lybien. Der Name der Äthiopier gilt für ein weites Gebiet. Eine ganze Reihe von ihnen sind in Teilen Ägyptens, Lybiens und Afrikas beheimatet. Es hat dort vielerlei unzugängliche Gebiete und darin unbekannte, unglaubliche Tiere und abartige Geschöpfe." "Diese Menschen haben zusammengewachsene Münder mit dermaßen weit vorstehenden Lippen, daß sie sich damit gegen die Sonne schützen können" (rechts unten). Darüber: "Die äthiopischen Mauritani (Maritimi) haben vier Augen und sind deshalb zielsicher im Bogenschießen." Weiter nach oben: "Die äthiopischen Psambares (Sesambri) haben keine Ohren, auch alle ihre Vierbeiner haben keine.
Photo: FRANCIA mit Paris, Reims u. v. a. Städten - links davon ANGLIA, SCOTIA und BRITANNIA.
Photo: SPANIEN und die Balearen, links noch ein Teil Italiens