Volksgarten Theseustempel im Wandel der Zeit
Aug 26, 2014Public
Photo: Der Theseustempel entstand 1820 - 1823 nach Plänen des Hofarchitekten Pietro Nobile und 
des Bildhauers Antonio Canova, von dem auch die Theseusgruppe aus Carraramarmor stammt. 
Der Tempel ist eine verkleinerte Nachbildung des Theseios-Tempels in Athen, der eig. als Tempel des Hephaistos bekannt ist.
 Beim Original zeigen Reliefs an der Vorder- und Rückseite die Taten des Theseus. 
Die Version im Volksgarten ist nicht nur kleiner, sondern hat auch ein anderes Seitenverhältnis. 
Die Platznot und hohe Baukosten ließen das Vorbild von 12 : 6 Säulen auf 10 : 6 schrumpfen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Tempel_des_Hephaistos
http://www.viennatouristguide.at/Altstadt/Volksgarten/volksgarten_index.htm
Photo: Das Baugelände erforderte eine tiefe Fundamentierung, welche einen großen Raum, 
ähnlich einer Gruft oder Katakombe, unterirdisch möglich machte. 
Zugänglich war dieser über ein heute nicht mehr existierende Bauwerk mit Tür (links v. Tempel).  
Ursprünglich sollte er eine Art Antikenmuseum aufnehmen, um den Charakter des Gebäudes zu unterstreichen. 
Heute überwintern dort die Sessel der Meierei.
Und nein: In der Besatzungszeit war dort keine Begräbnisstätte von russischen Offizieren!! :-)
Photo: Ursprünglich waren rund um den Tempel Pappeln gepflanzt. 
Die Wiener wussten damit nicht viel anzufangen und dichteten: 
„Da stehen sie am Wege nun - die langen Müßiggänger, 
und haben weiter nichts zu tun - und werden immer länger!“
Photo: Bild vom Äußeren Burgplatz Richtung Volksgarten, 1870
Die Lage des Tempels sollte so gewählt werden, dass dieser vom Äußeren Burgplatz her gut sichtbar sei 
und mittels geradliniger Baumreihen der Gartenanlage eingebunden werden könne. 
In seiner unmittelbaren Umgebung solle das Gebäude aber freistehend konzipiert werden, 
damit es zur Gänze und in seiner günstigsten perspektivischen Erscheinung zur Geltung komme.
Photo: Der Theseustempel zählte bis in die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts zu den bekanntesten Attraktionen Wiens. Davon zeugen verfaßte Führer und auch die zahlreichen Ansichten, die als Kupferstich oder Lithographie vervielfältigt wurden. In den betuchten und gehobenen Salons der Biedermeierzeit standen kleine Porzellan-Ausführungen als exklusive Ziergängenstände. Sie sorgten mit ihren Lichteffekten für effektvolle Üerraschungen und konnten zur anspruchsvollen Konversation anregen.
Photo: Allee zum Tempel, davor Bepflanzung mit Agave, 1874 
Die Figurengruppe von Antonio Canova im Inneren entstand ab 1810 ursprünglich als Siegesdenkmal Kaiser Napoleons in Mailand. 
Als dieser 1814 seiner Macht enthront wurde, übernahm Kaiser Franz dessen italienisches Reich und das halbfertige Denkmal, 
ließ von Canova die Figur beenden und von Nobile den Tempel als Aufstellungsort konzipieren.
Photo: Die Figurengruppe besteht aus zwei Teilen.
Der linke Arm des Theseus gehört zum Block des Kentauren, die rechte Vorderhand des Pferdes zu dem des Theseus.
Photo: Um eine möglichst naturgetreue Wiedergabe des Kentauren zu gewährleisten, ließ Canova Studien an einem toten Pferd machen,
ein ungewöhnliches Unterfangen, das noch nach Jahren in den Künstlerkreisen Roms besprochen wurde. 
Dazu stellte man ein Pferd auf ein Gerüst, schoss ihm mit einer Pistole in das Ohr, 
ließ es zusammensacken, erkalten und goss dann den Körper in Gips ab.
Photo: Die Nischen waren als Aufstellungsort für antike Statuen gedacht.
Photo: Canova hatte die Figurengruppe als Rundumansicht geplant, es sollte in Mailand freistehend an einm Platz aufgestellt werden. 
Die Gegebenheiten in Wien waren aber ganz anders.
Canova war sehr unglücklich über die Lichtlösung im Tempel (Oberlichte). 
Auch sein Vorschlag, die Gruppe auf eine drehbare Scheibe zu stellen, 
wurde aus technischen Gründen nicht realisiert (Streit zwischen Zylinder oder Kugellager) .
Photo: Bild: Aufstellung der Theseusgruppe imStiegenhaus des KHM
1890, in der Regierungszeit von Kaiser Franz Joseph wurde die Theseusgruppe (ca.1.570 kg schwer) 
in das neu eröffnete Kunsthistorische Museum übersiedelt.
 Dabei brach der Arm des Theseus mit der Keule ab.
Photo: Natürlich machten sich die Wiener über diesen Vorfall lustig:
Ein Wächter verwehrt dem Kunsthistoriker Dr. Ilg den Eingang ins KHM (Er war der Betreiber der Idee der Übersiedelung): 
"Ich bitt' mit dem Pink'l dürfen S' nicht hinein!" 
Dr. Ilg: "Aber gegen S', ich bring ja den Theseus!"
Photo: Der Bildhauer Johannes Benk führte die Restaurierung des Armbruches kostenlos durch. 
Die Nahtstelle gut noch sichtbar.
Photo: Heute wird das Innere des Tempels vom KHM für Kunstausstellungen genutzt 
(freier Eintritt, Gratis-Infosbroschüren über die aktuelle Ausstellung, Info-Tafel mit Kurzgeschichte des Tempels)
Öffnungszeiten: April bis Oktober während der Ausstellungen täglich 11 - 18 Uhr
http://www.khm.at/besuchen/ausstellungen/
Photo: Dies ist ein weiss bemalter Originalabguss eines 2000-Jahre alten italienischen Olivenbaumes.
Photo: Einzige natürliche Lichquelle (abgesehen von der Eingangstür)
Photo: Nachkriegszeit: Militärgräber im Volksgarten
http://www.viennatouristguide.at/Altstadt/Volksgarten/volksgarten_geschichte.htm#krieg
Photo: Ansicht um 1960 mit Rosenbepflanzung
Photo: 2008 - ein trauriger Zustand.
Photo: Tauben nisten im Tympanon, die Ecke der Treppe ist abgebrochen.
Photo: Renovierung 2011, 
die Kette musste wegen der Skateboarder angebracht werden, 
in der Zwischenzeit wurde eine (eher unansehnliche) Rampe als stiegenloser Zugang hinzugebaut
Photo: weiße Beetrosen "Aspirin"
Photo: Hochstammrosen "Maria Theresia" 
http://www.viennatouristguide.at/Altstadt/Volksgarten/volksgarten_rosen.htm#hoch
Photo: Im Hintergrund links das Rathaus, rechts das Burgtheater.